Kitas und die „öffentliche Tätigkeit“ nach TrinkwV: Eine Pflicht, die viele nicht kennen
Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ist im Bewusstsein vieler Kita-Träger nicht präsent — dabei kann sie auch Kitas treffen. § 2 Nr. 9 TrinkwV definiert als „öffentliche Tätigkeit“ die Bereitstellung von Trinkwasser für einen unbestimmten, wechselnden und nicht durch persönliche Beziehungen mit der bereitstellenden Person verbundenen Personenkreis. Kitas fallen in der Regel darunter, weil der versorgte Personenkreis (Kinder, Personal, Eltern) wechselt und nicht durch persönliche Beziehungen mit dem Träger verbunden ist. Im Zweifel klärt das zuständige Gesundheitsamt die Einordnung.
Die Konsequenz: Liegen zusätzlich die Voraussetzungen des § 31 Abs. 1 TrinkwV vor — eine Anlage zur Trinkwassererwärmung mit mehr als 400 Litern Speicher- bzw. Durchflusserwärmer-Inhalt oder mehr als 3 Litern Leitungsinhalt bis zur Entnahmestelle, dazu Duschen oder andere Einrichtungen mit Vernebelung des Trinkwassers, und kein Ein- oder Zweifamilienhaus —, muss der Träger das Trinkwasser systemisch auf Legionellen untersuchen lassen. Bei öffentlicher Tätigkeit heißt das: mindestens einmal jährlich (§ 31 Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe b TrinkwV).
Trinkwasserverordnung im Kindergarten: Die Pflichten in vier Fragen
Wer „Trinkwasserverordnung Kindergärten“ sucht, will meist wissen, ob und was für die eigene Einrichtung gilt. Die Verordnung unterscheidet nicht zwischen Kindergarten, Kindertagesstätte oder Krippe, sondern fragt nach der Art, wie das Trinkwasser bereitgestellt wird. Vier Fragen führen durch die Prüfung:
- Handelt es sich um eine öffentliche Tätigkeit? Das ist die Bereitstellung von Trinkwasser für einen unbestimmten, wechselnden Personenkreis (§ 2 Nr. 9 TrinkwV). Kitas fallen in der Regel darunter; im Zweifel entscheidet das Gesundheitsamt.
- Wird das Wasser aus einer Gebäudewasserversorgungsanlage abgegeben? Das ist eine Anlage, die von der öffentlichen Versorgung übernommenes Trinkwasser über die Hausinstallation an Verbraucher abgibt (§ 2 TrinkwV). Wird sie im Rahmen einer öffentlichen Tätigkeit betrieben, bestehen Anzeigepflichten gegenüber dem Gesundheitsamt (§ 11 Abs. 1 TrinkwV); den vollen Umfang, etwa bei Errichtung oder Änderung der Anlage, lesen Sie dort nach.
- Gelten die Voraussetzungen für die Legionellen-Untersuchung? Nur wenn eine Warmwasseranlage mit mehr als 400 Litern Speicherinhalt oder mehr als 3 Litern Leitungsinhalt bis zur Entnahmestelle sowie Duschen oder andere Einrichtungen mit Vernebelung vorhanden sind (§ 31 Abs. 1 TrinkwV). Trifft das auf Ihr Gebäude nicht zu, entsteht die jährliche Untersuchungspflicht nach § 31 nicht; sicher klärt das die Fachkraft, die Ihre Installation kennt, oder das Gesundheitsamt.
- Was gilt bei einem Befund? Wird der technische Maßnahmenwert für Legionellen erreicht, greifen die Handlungspflichten nach § 51 TrinkwV (siehe unten).
Das Gesundheitsamt überwacht die Einhaltung der Pflichten (§ 54 TrinkwV). Jede Untersuchung, die der Betreiber durchführen lässt, hält er unverzüglich in einer Niederschrift fest (§ 44 TrinkwV); die Niederschrift mit Probenahmestelle, Zeitpunkten und Verfahren ist damit Ihr Nachweis. Ob ein Träger als Betreiber gilt, wenn er das Gebäude nur mietet, hängt vom Einzelfall und den Verträgen ab: Das sollten Sie mit Vermieter und Gesundheitsamt klären.
Was §§ 31, 51 und 53 TrinkwV konkret fordern (früher § 14)
Die wichtigsten Pflichten im Überblick:
- Legionellen-Untersuchung mindestens einmal jährlich durch eine zugelassene Untersuchungsstelle (§ 31 Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe b, §§ 39, 40 TrinkwV); bei neu in Betrieb genommenen Anlagen die erste Untersuchung drei bis zwölf Monate nach Inbetriebnahme (§ 31 Abs. 4). Wurden in drei aufeinanderfolgenden Jahren keine Beanstandungen festgestellt und sind Anlage und Betriebsweise unverändert und nachweislich mindestens nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik, kann das Gesundheitsamt das Intervall auf bis zu drei Jahre verlängern (§ 31 Abs. 3).
- Systemische Untersuchung mit Probenahme an repräsentativen Stellen der Trinkwasserinstallation (Warmwasser-Entnahmestellen, Duschen) nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik
- Wird der technische Maßnahmenwert (100 KBE/100 ml, Anlage 3 Teil II) erreicht, zeigt das die zugelassene Untersuchungsstelle dem Gesundheitsamt an (§ 53); liegt dem Träger kein Nachweis darüber vor, muss er die Anzeige selbst unverzüglich erstatten (§ 51 Abs. 1 Nr. 1). Außerdem sind unverzüglich die Ursachen zu klären, eine schriftliche Risikoabschätzung zu erstellen und die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen (§ 51 Abs. 1 Nr. 2–4).
- Aufbewahrung der Untersuchungsniederschriften für mindestens zehn Jahre (§ 44 Abs. 3); die Dokumentation der Maßnahmen nach einer Überschreitung ist zehn Jahre verfügbar zu halten (§ 51 Abs. 4)
Viele Kita-Träger beauftragen diese Untersuchungen nicht — entweder weil sie die Pflicht nicht kennen oder weil die Koordination mit zugelassenen Untersuchungsstellen aufwendig erscheint.
Stichtag 12. Januar 2026: Bleileitungen und PFAS
Die TrinkwV 2023 setzt die EU-Trinkwasserrichtlinie (Richtlinie (EU) 2020/2184) um. Für Kita-Gebäude ist vor allem die Blei-Frist eine eigene Pflicht des Trägers; den PFAS-Grenzwert muss zwar das Wasser am Zapfhahn einhalten, die Untersuchung dafür schuldet aber der Wasserversorger (§ 28 TrinkwV), eine eigene Pflicht trifft den Träger nur bei Eigenwasserversorgung (§ 29):
- Bleileitungen: Trinkwasserleitungen oder Teilstücke aus Blei waren bis zum Ablauf des 12. Januar 2026 zu entfernen oder stillzulegen (§ 17 Abs. 1 TrinkwV); das Gesundheitsamt kann die Frist auf Antrag unter den Voraussetzungen des § 17 Abs. 2 verlängern
- PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen): Für die Summe von 20 PFAS gilt ab dem 12. Januar 2026 ein Grenzwert von 0,10 µg/l, für die Summe von vier PFAS ab dem 12. Januar 2028 ein Grenzwert von 0,020 µg/l (Anlage 2 TrinkwV)
Besonders betroffen sind ältere Kita-Gebäude, in deren Bauphase Bleileitungen noch verbreitet eingesetzt wurden. Träger sollten prüfen, ob ihre Liegenschaften Bleileitungen aufweisen, und — falls die Frist nicht eingehalten werden konnte — mit dem Gesundheitsamt klären, wie es weitergeht.
U3-Gruppen: erhöhtes Risiko, erhöhte Pflichten
In Krippen und U3-Gruppen gibt es besondere Risikostellen: Badewannen für die Säuglingspflege, Flaschenwärmer-Warmwasserkreisläufe, häufig genutzte Waschbecken auf Kinderhöhe. Das Immunsystem von Säuglingen ist noch nicht vollständig entwickelt — Legionellen-Infektionen können bei Kleinkindern schwere Legionärskrankheit oder Pontiac-Fieber auslösen.
Träger mit U3-Gruppen sollten halbjährliche statt jährliche Probenahmen in Erwägung ziehen und die zusätzlichen Risikostellen explizit in die Probenahme einbeziehen.
Was bei einer Legionellen-Überschreitung zu tun ist
Wird der technische Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml erreicht, gibt § 51 TrinkwV den Ablauf vor:
- Anzeige an das Gesundheitsamt — in der Regel durch die zugelassene Untersuchungsstelle (§ 53); liegt dem Träger kein Nachweis darüber vor, zeigt er den Befund selbst unverzüglich an (§ 51 Abs. 1 Nr. 1)
- Untersuchungen zur Klärung der Ursachen, einschließlich Ortsbesichtigung und Prüfung, ob die Trinkwasserinstallation den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht (§ 51 Abs. 1 Nr. 2)
- Schriftliche Risikoabschätzung unter Beachtung der UBA-Empfehlung zur Gefährdungsanalyse (§ 51 Abs. 1 Nr. 3)
- Durchführung der Maßnahmen, die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zum Schutz der Gesundheit erforderlich sind (§ 51 Abs. 1 Nr. 4)
- Unverzügliche Mitteilung der ergriffenen Maßnahmen an das Gesundheitsamt; die Risikoabschätzung ist auf Verlangen zu übermitteln (§ 51 Abs. 3)
- Information der betroffenen Verbraucher — in der Kita Eltern und Personal — über das Ergebnis der Risikoabschätzung und etwaige Einschränkungen der Trinkwasserverwendung (§ 52 Abs. 3)
- Dokumentation der Maßnahmen unmittelbar nach Abschluss; zehn Jahre verfügbar halten (§ 51 Abs. 4)
Kommt der Träger den Handlungspflichten nach § 51 Abs. 1 bis 3 nicht nach, fordert ihn das Gesundheitsamt unter Fristsetzung dazu auf (§ 68 TrinkwV); die Informationspflichten nach § 52 setzt es nach § 67 Abs. 1 durch — und er trägt im Schadensfall (Erkrankung eines Kindes) das Haftungsrisiko.
Digitale Trinkwasser-Compliance: So funktioniert es mit dem Kita-Pflichten Manager
Der Kita-Pflichten Manager unterstützt die TrinkwV-Pflichten: Fristen-Tracking für die Jahresuntersuchung, Beauftragung zugelassener Untersuchungsstellen, Upload und Archivierung der Laborbefunde, Eskalation bei Erreichen des technischen Maßnahmenwerts. Das Träger-Dashboard zeigt den Untersuchungsstatus aller Einrichtungen auf einen Blick.
Fristerinnerungen statt manuellem Nachhalten, Befunde zentral archiviert — und im Zweifelsfall ein lückenloser Nachweis für das Gesundheitsamt.